Stimmtechnik
5 min read

Die 15 häufigsten Probleme beim Singen

Verfasser
Adrian Goldner
Veröffentlicht am
3.4.24

Beim Singen stoßen wir immer wieder auf Barrieren und Hürden, die unsere Gesangsstimme und unseren Fortschritt blockieren. Wie sagt man so schön:

"Das Lösen eines Problems führt nur zur Erkenntnis vieler weiterer Probleme."

Oder wie ich es auch gerne umformuliere:

Je besser wir werden, desto differenzierter erkennen wir weitere Lücken und Hindernisse.

Dadurch, dass wir uns weiterentwickeln, erhöhen wir sozusagen die „Auflösung“, mit der wir unsere Fähigkeiten beobachten.

Mit dieser Perspektive im Hinterkopf möchte ich, dass du die folgenden Punkte liest. Listen und Lösungsansätze wie diese sind immer eine Vereinfachung komplexer und individueller Herausforderungen. Trotzdem glaube ich, mit meiner mehr als 10-jährigen Erfahrung als Sänger, Vocal Coach und Chorleiter einige Muster erkannt zu haben, die mir bei meinen Schülern (und mir selbst) immer wieder auffallen.

In diesem Artikel geht es daher um die, meiner Erfahrung nach, 15 häufigsten Probleme, auf die wir beim Singen früher oder später stoßen.

Einige wirst du möglicherweise schon gehört haben, andere könnten für dich aber vielleicht auch neu sein.

Problem Nr. 1: Zu viel oder zu wenig Stütze

Die sagenumwobene Stütze. Scheinbar endlos scheint sie uns zu verfolgen. Dann hat man mal das Gefühl, dass wir sie endlich verstanden haben, nur um im nächsten Moment wieder nicht zu wissen, was wir eigentlich tun. Dabei geht es vor allem darum, wie wir unsere Stimme körperlich mit ausreichend, aber nicht zu viel, körperlicher Energie versorgen, damit wir ungehindert singen können. Warum das so viel einfacher klingt, als es ist und wie wir diese Aufgabe meistern können, erfährst du im ersten Artikel dieser Artikelserie.

Problem Nr. 2: Falsche Einschätzung der eigenen Stimm-Lautstärke

Eines der häufigsten Probleme, über die ich während meiner Arbeit als Vokalpädagoge gestoßen bin, ist ein falsches Gefühl dafür, wie laut und wie leise eine Stimme sein kann. Häufig werden Lautstärken als zu laut empfunden, obwohl die eigene Stimme zwei- oder gar dreimal so laut singen könnte. Hohe Lautstärken werden dann häufig als „Schreie“ wahrgenommen, da die nötige Kontrolle über die Stimme fehlt. Wie du ein sicheres Gefühl für deine Stimmlautstärke bekommst und was du mit lautem Singen alles tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Problem Nr. 3: Undifferenzierte Wahrnehmung und Reproduktion von Vokalen

Was häufig beim Unterrichten vergessen wird zu kommunizieren: Die Vokale, die wir verwenden, sind maßgeblich darüber entscheidend, wie wir unsere Stimme technisch einsetzen können. Manche Vokale (z.B. I wie in Igel) können wir gar nicht laut singen, während andere selbst in extremen Höhen problemlos singbar sind. Hinzu kommt eine Diskrepanz zwischen den Vokalen der gesprochenen Sprache und der Schriftsprache. Letztere (aeiouöäü) ist auf ihre Schriftzeichen limitiert und aufgrund der Schreibweise fast schon absolut, während die Zahl der Vokalvariationen im Gesprochenen schier unendlich ist. In diesem Artikel befassen wir uns mit den unendlichen Möglichkeiten aber auch Einschränkungen der weiten und komplexen Welt der Vokale.

Problem Nr. 4: Falsches Verständnis und unrealistische Erwartung an das eigene Üben

Das Üben ist eine Kunst für sich, die selbst an Musikhochschulen selten gelehrt wird. Dabei ist es von essenzieller Bedeutung zu verstehen, wie wir Menschen am effektivsten lernen, uns neue Fähigkeiten aneignen und bestehende verbessern. Wissen wir, worauf es beim Üben und Trainieren ankommt, fällt es uns viel leichter, gezielt und effektiv zu üben. Und genau damit beschäftigt sich dieser Artikel.

Problem Nr. 5: Singen ohne Bewegung

Das Kapitel über die Stütze greift es bereits auf: Es existiert kein gesunder und lebender menschlicher Körper, der sich nicht permanent in Bewegung ist. Bewegung verhindert Verspannungen und Verkrampfungen während es gleichzeitig für eine Öffnung des Körpers und der Stimme sorgt und damit zu mehr Leichtigkeit beim Singen führt. In diesem Artikel sehen wir uns an, warum das so ist und welche Taktiken wir beim Singen anwenden können, um uns mehr und besser zu bewegen.

Problem Nr. 6: Unrealistische Erwartung gegenüber dem Einsingen und Warm-Ups

Der Sinn und Zweck eines Einsingens ist vergleichbar mit dem Aufwärmen im Sport: Wir bereiten uns körperlich und mental darauf vor, unsere Stimme mit einer größeren Belastung als sonst zu nutzen. Nicht mehr und nicht weniger. Allerdings hat sich das Einsingen mit allen möglichen Erwartungen aufgeladen. Warum ein Einsingen keine technischen Probleme lösen darf, erfährst du in diesem Artikel.

Problem Nr. 7: Singen auf Autopilot

Du kennst es wahrscheinlich nicht nur beim Singen: Auf einmal finden wir uns in einer Aktivität wieder, die wir seit ein paar Minuten automatisch ausführen, während wir gedanklich ganz woanders sind. Mir passiert das manchmal beim Autofahren (ein Glück fahre ich mehr Bahn als Auto). Passiert uns das beim Musizieren, hat das nicht nur erhebliche musikalische, sondern auch technische Nachteile. Welche das sind und was du dagegen tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Problem Nr. 8: Lampenfieber

Die Angst, die uns heimsucht, bevor oder während wir auf die Bühne gehen, hat viele Gesichter. Selbst Profis mit jahrzehntelanger Erfahrung berichten, regelmäßig mit Lampenfieber zu tun zu haben. Damit, woher die Angst kommt und wie du daran arbeiten kannst, beschäftigt sich dieser Artikel.

Problem Nr. 9: Unrealistische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten

Man sagt immer, man solle sich nicht vergleichen. Aber wenn man das nicht tut, woher weiß man dann, wann etwas gut genug ist und wann man etwas erst mal lieber noch für sich behalten sollte? Diese Aussage ist aus zwei Gründen „toxisch“: Erstens kann man das Vergleichen gar nicht abschalten. Wir vergleichen uns automatisch und permanent mit unserer Umwelt. Und zweitens führt das Vergleichen dazu, die innere an die äußere Wahrnehmung anzugleichen. Warum das eine der Grundvoraussetzungen ist, um sich effektiv weiterzuentwickeln und welche Strategien du dafür anwenden kannst, beschreibe ich im neunten Artikel.

Problem Nr. 10: Heiserkeit nach dem Singen

Deine Stimme fühlt sich heiser und unangenehm an, nachdem du längere Zeit gesungen hast? Du bist nicht alleine. Allerdings: Heiserkeit ist nicht gleich Heiserkeit. Und wenn dann noch eine mögliche Erkältung im Spiel ist, wird es noch komplizierter. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich zu entscheiden, was zu tun ist. Was du gegen Heiserkeit tun und wie du Schlimmeres vermeiden kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Problem Nr. 11: Körperliche Verspannungen

Dieser Artikel bezieht sich erneut auf die Stütze und auf Bewegung. Verspannen wir beim Singen, behindert uns das bei der Ausführung und führt zu potenziellen Problemen. Hier besprechen wir, welche Gliedmaßen überhaupt verspannen können, was die Anzeichen einer Verspannung sein können und was du dagegen tun kannst.

Problem Nr. 12: Artikulation und Aussprache

Nicht nur die Vokale sind eine komplexe Angelegenheit, sondern auch die Artikulation unserer Aussprache. Konsonanten sind nicht weniger wichtig beim Singen (und beim Sprechen) und verdienen es, dass wir uns in diesem Artikel detaillierter mit ihnen befassen.

Problem Nr. 13: Gefangen im Falsett

Manchmal ist das Problem aus Artikel Nr. 2 (Lautstärke) auch darauf zurückzuführen, dass wir in unserem eigenen Falsett-Register gefangen sind. Dieses Register nenne ich gerne die „Komfort-Zonen-Couch“, auf die sich unsere Stimme gerne fallen lässt, wenn Phrasen technisch nicht ganz sauber laufen (daher auch das „Brechen“ der Stimme bei unsicheren Passagen). Artikel 13 befasst sich mit Methoden und Strategien, wie du ein Gefühl dafür bekommst, ob du in deinem Falsett singst oder nicht.

Problem Nr. 14: Angst vor schweren Passagen

Stell’ dir vor, du musst in diesem Moment einen Song vor 2.000 Leuten singen, den du noch nie zuvor gesehen hast. Visualisiere dabei genau die Szene und versuche dabei zu beobachten, was du dabei fühlst und noch wichtiger: wie sich dein Körper dabei anfühlt. „Singen ist Kopfsache“ hört man immer wieder. Diese Aussage ist leider nur zu 50 % richtig, denn unsere Gedanken bestimmen auch, wie wir uns körperlich fühlen und damit auch, wie wir uns anspannen. Gleichzeitig können wir bestimmte Körperposen einnehmen, die unmittelbar beeinflussen, wie wir uns fühlen – also denken. Das erklärt meiner Ansicht nach sehr gut, warum wir so große Probleme haben, Passagen oder Töne zu singen, vor denen wir vorher schon Angst haben. Was wir dagegen tun können und wie die Gedanken mit unserem Körper genau zusammenhängen, erfährst du in Kapitel Nr. 14.

Problem Nr. 15: Übermäßiger Fokus auf das Ausbauen des „eigenen Stils“

Wir alle wollen unverkennbar klingen, einen eigenen Stil besitzen, der nur auf uns zurückzuführen ist. Das Finden des eigenen Stils wird gerade im Gesang häufig fast schon wie das Finden der eigenen Identität betrachtet. Die Wahrheit aber ist, dass selbst die unverkennbaren Meister klein angefangen und tausende Stilkopien angefertigt haben. Warum das Kopieren und Imitieren anderer Sänger die schnellste und effektivste Methode ist, deinen eigenen Stil zu finden, erfährst du im letzten Artikel dieser Artikelserie.

Konntest du einige der Punkte für dich wiedererkennen? Habe ich etwas Essenzielles ausgelassen?

In den kommenden Artikeln werde ich auf die einzelnen Themen detaillierter eingehen und dir konkrete Taktiken und Trainingsmethoden beibringen.

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