Artikel · Interpretation und Bühnenpräsenz im Chor
Interpretation
Interpretation ist eine Fähigkeit, die weit über die technische Beherrschung der Stimme hinausgeht. Sie entscheidet, ob und wie das Publikum mit auf eine emotionale Reise genommen wird.
Interpretation ist eine Fähigkeit, die weit über die technische Beherrschung der Stimme hinausgeht. Sie entscheidet, ob und wie das Publikum mit auf eine emotionale Reise genommen wird. Ich arbeite meistens mit 3 verschiedenen Methoden, mit deren Hilfe wir uns eine Interpretation eines Songs erarbeiten können.
Beim Interpretation: Story Staging wird eine Meta-Story um den Song herum konstruiert, um so eine reichhaltigere und mehrdimensionale Interpretation zu schaffen. Hier geht es primär um die Bedeutung zwischen den Zeilen, die wir nach unserem Ermessen füllen können.
Durch den Einsatz von bildhaften Vorstellungen, das Eintauchen in verschiedene Rollen und das Ausdrücken authentischer Gefühle (Interpretation: Bilder, Rollen & Gefühle ) wird der Song lebendig.
Dabei spielen Elemente wie Interpretation: Improvisation eine wichtige Rolle, da sie die künstlerische Freiheit und Ausdruckskraft fördern und so zur Einzigartigkeit der Performance beitragen.
Essenzieller Bestandteil der Interpretation und Performance ist die Präsenz auf der Bühne – sie ist der Schlüssel, um das Publikum zu fesseln und die interpretative Botschaft des Songs vollends zu übermitteln.
In diesem Modul werden wir die genannten Methoden näher betrachten und ihre Bedeutung für eine eindrucksvolle gesangliche Interpretation beleuchten.
Improvisation
Improvisation als Tool der Interpretation
Durch das Improvisieren gehen wir in der Regel eine tiefere Verbindung mit der Musik ein. Sie erlaubt es uns, neue Wege auszuprobieren und bestehendes zu variieren.
Parameter, die improvisiert & variiert werden können:
- Melodie
- Text
- Emotionen & Gefühle
- Rollen, in die man schlüpft
- Klangfarbe
- Dynamik
- Tonart
- Tempo
- Bewegung & Tanz
- Körperhaltung
- Genre
- Harmonien
- Verzierungen & Runs
- Scat Solos
Story Staging
Im Story-Staging arbeiten wir an unseren interpretatorischen Fähigkeiten, indem wir den Song, den wir gerade singen, in ein konkretes Setting, in eine spezifische Situation transferieren.
Dabei konstruieren wir ein (eventuell fiktives) Narrativ, das wir über den Song darüber stülpen.
Um das zu erreichen, beantworten wir eine Reihe an Fragen, die uns helfen, dieses Narrativ zu konstruieren.
- Wer singt? Erschaffe einen Charakter, der gerade singt. Erstelle einen detaillierten Steckbrief und überlege dir z.B. folgende Punkte Name, Geschlecht, Alter, Erscheinung, etc.
- An wen ist der Song gerichtet? Ist der Song an eine andere Person gerichtet? Wenn ja, beschreibe sie genauso detailliert, wie den Protagonisten im vorherigen Schritt. Der Song kann auch an sich selbst gerichtet sein.
- Was ist der Konflikt? Welcher Konflikt ist ausschlaggebend dafür, dass dieser Song zum Ausdruck gebracht werden muss? Welche Situationen und Gefühle gab es in der Vergangenheit, die dazu führten, dass die aktuelle Situation stattfindet?
- Warum jetzt? Warum muss es jetzt gesagt werden? Was ist der Grund, dass sich der Protagonist gerade jetzt dazu entschieden hat, diesen Song zu singen?
- Was hat sich am Schluss des Songs geändert? Wurde der Konflikt gelöst? Falls nein, was ist stattdessen passiert? Inwieweit unterscheiden sich die Gefühle des Protagonisten im Vergleich zum Anfang?
- An welchem Punkt im Song ist der Höhepunkt erreicht? Gibt es einen Höhepunkt, an dem der Ausdruck des Songs seinen Zenit erreicht? Eventuell ist es die Stelle, an dem der zuvor beschriebene Konflikt aufgelöst wird.
- Was steht zwischen den Zeilen? Was ist der O-Ton des Songs? Was könnte zwischen den Zeilen stehen? Welches Gefühl könnte den Song in einem Wort am besten Beschreiben? Dieses Wort kannst du nutzen, um dich immer wieder an die Geschichte zu erinnern, falls du beim Üben mal die Orientierung verlieren solltest.
Versuche, beim Konstruieren dieser Story, dass du dich nicht selbst als Protagonisten beschreibst. Löse dich von deiner Persönlichkeit und schlüpfe in eine Rolle und probiere aus, was das mit dir tut.
Wichtig ist bei dieser Übung, dass das Ausprobieren im Vordergrund steht. Manche Konstrukte fühlen sich möglicherweise komisch an, andere funktionieren besonders gut. Merke dir, was du gerne mitnehmen möchtest.
Das der Übung zugrunde liegende Ziel ist, einen dramaturgischen Faden zu kreieren. Eine Grundlage zu bauen, damit du besser durch den Song navigieren kannst.
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