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Lautstärke beim Singen einschätzen
Wie laut singst du wirklich? Woran du es am Metall hörst, wie laut du dich trauen darfst und eine Übung, die die Metall-Grenze hörbar macht.
In über zehn Jahren als Chorleiter und Vocal Coach war bei Chorsänger:innen ein Punkt das Problem Nummer eins: das Gefühl für die Lautstärke der eigenen Stimme.
Ich muss auch als Profisänger zugeben, dass es nie so richtig angenehm wird, zu Hause Gesang zu üben, wenn die Nachbarn mithören. Die Gefahr ist eine Schonhaltung, in der du überwiegend leise singst. Dabei brauchst du ein Gefühl für die oberen zwei Drittel deiner Lautstärke, um drei von vier Vocal Modes überhaupt nutzen zu können.
Woran hörst du, wie laut du singst?
Ich frage: Was wäre das ungefähr, von 1 bis 10? 0 ist nicht singen, 10 ist brüllen. Auf dieser Skala verschätzen wir uns leicht, zum Beispiel durch Aufnahmen, Kopfhörer oder das Singen im Chor.
Das Gefühl allein trügt. Deshalb höre ich auf das Metall. Es kommt ungefähr ab Lautstärke 4 in den Klang, und je lauter du singst, desto mehr. Wenn ich das in meinem Kurs vorsinge, hebe ich kurz die Hand, sobald Metall im Klang ist. Dass sich der Klang mit der Lautstärke verändert, ist auch gemessen: In einer Untersuchung mit Sprechstimmen stieg der Pegel zwischen 1,5 und 3 kHz etwa dreimal so schnell wie in der Tiefe.1
Dazu kommt die Tonhöhe: Je höher du singst, desto weiter rutscht deine ganze Lautstärke-Range nach oben.
Prüf außerdem den Vokal. Laut singen kannst du zum Beispiel auf EH wie im englischen „stay“ oder OH wie im englischen „so“. Wer sich selbst nicht gut zuhören kann, nimmt sich auf oder nutzt eine Pegel-App.
Wie laut darf es werden?
Stimmschäden sind nie auszuschließen. Aber aus meiner Erfahrung ist deine Stimme robuster, als du denkst. Du musst keine zwei Stunden schreien, um herauszufinden, wie laut du singen kannst, zwei bis drei Mal Rufen kann vollkommen reichen. Hör danach auf deinen Körper.
Ungewohnt und angestrengt darf es sich anfühlen, schlecht ist, was wehtut. Tut es weh, hör auf. Heiser sein ist etwas anderes als angestrengt sein.
Erst wenn du weißt, wo deine Grenzen sind, kannst du dich bewusst für oder gegen sie entscheiden und dich frei dazwischen bewegen.
Übung: Overdrive Lautstärke-Transition
Du gehst von einem lauten Overdrive langsam leiser, bis das Metall verschwindet und du in Neutral bist, und später andersherum. Am besten jeden Tag, über zwei bis vier Wochen, zum Beispiel als Warm-up vor der Probe.
Ziel Ein genaues Gefühl für die eigene Lautstärke bekommen.
- Singe auf EH oder OH in Overdrive einen lauten, kurzen Ton, zwei bis vier Mal, bis er sich sicher anfühlt. Such das Gefühl, als würdest du in einen Apfel beißen, und sing ohne hörbare Luft.
- Singe denselben Ton auf demselben Vokal und halte ihn drei bis vier Sekunden, zwei bis vier Mal.
- Setz genauso ein, halte den Ton und werde nach und nach leiser. Vokal, Biss und Tonhöhe bleiben gleich. Hör darauf, wo das Metall weniger wird und verschwindet.
- Wiederhole die Schritte 1 bis 3 und steigere allmählich die Tonhöhe.
- Wenn die Schritte 1 bis 4 sicher sitzen: Fang leise auf OH oder EH an und werde schrittweise lauter, bis du nicht mehr lauter kannst.
Was bewirkt die Übung?
- Du hörst und spürst die Metall-Grenze, also die Stelle, an der Metall in den Klang kommt.
- Du bekommst ein Gefühl dafür, wie laut du auf welcher Tonhöhe wirklich bist.
Häufige Fehler
- Zu leise anfangen. Um Overdrive sicher zu finden, musst du anfangs wirklich laut rufen, so laut, dass es dir fast schon unangenehm ist.
- An der Metall-Grenze die Energie verlieren. Dort brauchst du in der Regel mehr Energie, achte besonders auf deine Stütze, zum Beispiel eine aktive Bewegung nach innen im Bauch.
- Den Vokal wechseln. Overdrive geht nur auf OH wie in „so“ und EH wie in „stay“.
Und im Chor?
Im Chor singen die anderen mit, und jede:r will sich unterschiedlich laut heraushören. Innerhalb einer Stimmgruppe muss die Lautstärke trotzdem fast immer gleich sein, und dahin kommt sie mit dem Lautstärke-Reset.
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Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob ich laut genug singe?+
Hör auf das Metall im Klang, es kommt ungefähr ab Lautstärke 4 dazu und wird mit der Lautstärke mehr. Und nimm einen Vokal, der laut überhaupt geht, zum Beispiel EH wie in „stay“ oder OH wie in „so“.
Ist lautes Singen schlecht für die Stimme?+
Schlecht ist, was wehtut. Ungewohnt und angestrengt darf es sich anfühlen. Um deine Obergrenze zu finden, können zwei bis drei Mal Rufen reichen, danach hörst du auf deinen Körper.
Wie lange dauert es, bis sich lautes Singen normal anfühlt?+
Das kann zwei bis vier Wochen dauern oder länger, je nachdem, wie gewohnt du laut singst. Wichtig ist, die Übung regelmäßig zu machen.
Was mache ich, wenn mich beim Üben die Nachbarn hören?+
Wechsle den Ort oder übe zu einer Zeit, von der du weißt, dass keiner zu Hause ist. In größeren Städten kannst du auch einen Übe-Raum mieten.
Quellen
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