Artikel · Chorklang und Probendiagnose
Klangprobleme im Chor diagnostizieren: warum bessere Durchläufe noch keine sichere Stelle sind
Eine Stelle läuft besser als letzte Woche und ist trotzdem nicht sicher. Warum ich dann eher vom Stück abrate und was ich im Chor nicht heraushören kann.
Besser ist noch nicht sicher
Einige Wochen vor einem Konzert liefen die Durchläufe eines Stücks deutlich besser als in der Woche davor. Verlassen konnte ich mich trotzdem noch nicht darauf, dass es läuft. Ich habe vorgeschlagen, das Stück eher nicht zu spielen, und die Verantwortung dafür bei mir als Chorleiter gesehen.
Wegwerfen wollte ich die Nummer nicht, dafür steckte zu viel Zeit darin. Also haben wir sie strategischer eingeprobt und sind die Baustellen einzeln angegangen.
Was ich bei 40 Stimmen nicht höre
Ich habe versucht, die Mundwinkel in den Griff zu bekommen, die Klangfarbe zu vereinheitlichen und alle im Chor dieselbe Gesangstechnik verwenden zu lassen. Das Ergebnis war nur marginal besser als vorher. Später wurde mir klar, dass ich bei 40 Leuten in einer Probe pro Woche gar nicht hören konnte, welche Person im Ensemble gerade anders sang.
Weitergebracht hat mich ein Parameter, den alle gleichzeitig verändern: der Anteil hörbarer Luft, also die Kompression. Denselben Vocal Mode für alle kann ich in einer großen Gruppe dagegen nicht sichern, zumindest nicht ohne viel individuelle Stimmbildung. Für den Blend reicht schon die Anweisung, den Luftanteil in allen Stimmen zu reduzieren oder zu erhöhen.
Ein weiterer Durchlauf verrät über eine unsaubere Stelle wenig, denn die Ursache kann woanders liegen: in der Stimmtechnik, im Notentext, in der Vorstellung, in der Konzentration oder im Blending. Und dein Ohr ist beim Vokal ohnehin nicht immer zuverlässig, denn derselbe Buchstabe klingt nicht überall gleich: Das O in „oft“ ist deutlich offener, als man beim Lesen erwartet, und trotzdem hören wir es als O.
Für die Stelle selbst nutze ich eine feste Probendiagnose: Ich suche sie heraus, reduziere sie auf das Simpelste und stelle ihr vier Fragen, nach Kompression, Lautstärke, Anpassung der Vokale und Resonanz.
Klangfragen aus der Probe mitbringen
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Häufige Fragen
Kann ich im Chor hören, welche Stimme anders singt?+
Bei 40 Leuten in einer Probe pro Woche konnte ich es nicht. Weitergebracht hat mich ein Parameter, den alle gleichzeitig verändern können: der Anteil hörbarer Luft im Stimmklang.
Reicht es, wenn die Durchläufe besser werden?+
Nicht unbedingt. Ein Stück kann deutlich besser laufen als in der Woche davor, und trotzdem kann ich mich noch nicht darauf verlassen, dass es läuft. Dann proben wir es strategischer ein und gehen die Baustellen einzeln an.
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